
Das erste Ausstellungsstück, welches wir bestaunen durften, war eine Skulptur der Athene, griechische Göttin der Weisheit sowie Göttin der Kriegstaktik und Strategie. Sie war Schirmherrin der Künste und Wissenschaften und gab den Menschen in Kriegssituationen Eingebungen. Darauf folgend erhielten wir die Aufgabe, uns im Alleingang die weiteren Exponate anzuschauen und eines unserer Wahl zu zeichnen.
Inspiriert ging es weiter in das Städel-Museum. 700 Jahre europäische Kunst sind hier versammelt in einer Auswahl aus 2700 Gemälden, 600 Skulpturen und 100.000 Zeichnungen und Druckgraphiken von Dürer, Holbein und Cranach über Rembrandt, Vermeer, Monet, Van Gogh und Cézanne bis hin zu Matisse und Picasso, Bacon und Baselitz, Serra und Palermo. Unsere Gruppe teilte sich nun in zwei Gruppen und wurde separat durch das Museum geführt.
Das Mittelalter war die erste Epoche, die uns von der Führerin näher gebracht wurde. Die Malerei dieser Epoche zeichnet sich durch den Verzicht auf jegliche Individualität der Gesichter aus. Die Künstler arbeiteten nach einem bestimmten Schema, folglich ähnelten sich die Menschen. Die einzigen Unterschiede bestanden in den Haaren oder der Kleidung. Die häufigsten Bilder waren damals die Altarbilder. Bei diesen Gemälden wurde kein Wert auf das naturalistische Ideal gelegt, was bedeutet, dass die anatomische Richtigkeit der Menschen in dieser Epoche komplett fehlte. Das Ausschlaggebende war allein die theologische Bedeutung des Dargestellten.
Zeitlich ging es nun in die Epoche der Renaissance mit einem Gemälde des Künstlers Quentin Massys. Massys, welcher bei Leonardo da Vinci gelernt hatte, zeichnete im Jahre 1525 das Bildnis eines Gelehrten. Diese Ölzeichnung ist geprägt durch ihre Dreidimensionalität sowie durch viele Schatten. Zudem weist das Gemälde eine Verblauung auf, welche das Bild fast photographisch wirken lässt. Wert wurde außerdem auf das Einsetzen von Attributen gelegt. Das Buch sowie der Goldring sollen den intellektuell gehobenen Stand des Gelehrten demonstrieren.
Weiter folgte das „Bildnis einer Frau“ von Jacopo Pontormo aus der Epoche des Manierismus. Das Porträt weist auf den ersten Blick ein hohes Potential an Naturbeobachtung auf, bei längerem Betrachten fällt jedoch der viel zu lang gezeichnete Hals der Frau ins Auge. Dieses Gemälde verdeutlicht, dass es sich um eine idealisierte Darstellung handelt. Nicht die Natur, sondern die eigene Kreation tritt in den Vordergrund. Auffallend sind zudem noch die zahlreich vorhandenen Kontraste, die das Bild bietet.
Als nächste Epoche folgte die Barockzeit. Hierzu betrachteten wir das Gemälde „Bildnis eines Mannes und einer Frau“, aus dem Jahre 1638. Die Darstellung zeigt Kaufleute und Großbürger. Als Hintergrund erklärte uns die Führerin, dass während des 17. Jahrhunderts die holländischen Städte, vor allem die bürgerliche Mittelschicht, mehr und mehr Macht erhielten. In den Jahren 1550-1650 wurden allein in Holland zehn Millionen Bilder gemalt, wonach diese Zeit auch als „Die 100 Goldenen Jahre Hollands“ bezeichnet wurde. Wichtig waren den Malern damals die Erzeugung von Plastizität durch Licht und Schatten sowie mithilfe von Schlagschatten. Erstmals wurden auch künstliche Lichtquellen in das Gemälde integriert. Der Hauptaspekt dieses Bildes lag aber vor allem darin, den Künstler in den Vordergrund zu stellen, das Bild also mit dem Künstler in Verbindung zu setzten.
Zum Abschluss folgten wir unserer Führerin in den Bereich der „klassischen Moderne“, ins 20. Jahrhundert. Dort war es unsere Aufgabe, ein Bild von Otto Dix zu interpretieren. Der Künstler hatte sich 1927 zusammen mit seiner Familie gezeichnet. Auf den ersten Blick wirkt das Bild der Familie sehr „hässlich“. Es wurde ohne jeglichen Anspruch auf Perfektion gezeichnet. Wenn man das Bild in Zusammenhang mit der damaligen Situation betrachtet, wird deutlich, dass Dix' Bild die Menschen nach dem Ersten Weltkrieg und unmittelbar vor der „Weltwirtschaftskrise“ darstellt. Die Blicke der Menschen wirken „brutal“ und „bissig“. Das deutlichste Zeichen stellt die „rote Rose“ in der Hand der Tochter dar: Sie galt als „Blume der Arbeiterbewegung“.
An dieser Stelle endete die Führung durch das Städel-Museum, bei der wir eine Menge Neues erfahren haben und Kunst endlich einmal „live“ erleben konnten.
Jennifer Ewald & Hannah Kremer, 12, Kunstkurs Herr Brandt


