Nicht „noch“, sondern „immer mehr“ haben Schülerinnen und Schüler Probleme, ihre eigenen Fähigkeiten einzuschätzen, sich entsprechend einzusetzen und in konkreten Situationen entscheidungssicher und situationsadäquat zu agieren. Dies soll keine Schuldzuweisung an die Jugendlichen sein, denn angesichts des raschen Wandels in der Arbeitswelt stehen junge Jugendliche im Vergleich zu ihren Eltern vor wesentlich höheren Anforderungen an ihre Leistungsfähigkeit und Selbstständigkeit, besonders wenn es um ihre Berufswahl und Lebensplanung geht. Sie sehen sich konfrontiert mit den Auswirkungen des Strukturwandels in Europa und mit den Entwicklungen zur Globalisierung. Einen „Beruf für’s Leben“ gab es vielleicht noch für ihre Eltern – für die jungen Erwachsenen gilt das nur noch eingeschränkt. Feste Berufsfelder und Berufsrollen, geradlinige persönliche Bildungsbiografien sich sichere Planungsperspektiven haben sich zugunsten von Flexibilität und Veränderungsdynamik aufgelöst.
Diese rasante Veränderung der Arbeitswelt stellt somit auch an uns, die Ernst-Ludwig-Schule, vor neue Aufgaben.
Die Berufs- und Studienorientierung an unserer Schule, eng angebunden an das Fach „Politik und Wirtschaft“, soll dazu führen, dass die Schülerinnen und Schüler die eigenen Wünsche, Interessen und Neigungen entdecken, erforschen und hinterfragen lernen sowie Begabungen und Fähigkeiten wahrnehmen können, um persönliche Erwartungen reflektieren und einschätzen zu lernen.
Wir sind uns bewusst, dass wir als Schule alleine eine neigungs- und fähigkeitsbezogene
Orientierung alleine nicht leisten können. Eine angestrebte, enge Kooperation mit Partnern aus der Wirtschaft soll uns dort Unterstützung und Hilfestellung sein, wo bezogen auf spätere Berufsqualifikationen, spezielles Wissen gefragt und gefordert ist. Um eine noch bessere Verzahnung von Theorie (Schulausbildung) und Praxis (Beruf) zu erreichen, streben wir Bildungspartnerschaften mit Unternehmen aus dem heimischen Wirtschaftsraum an.
In der Mittelstufe (9. Klasse) sollen die Schülerinnen und Schüler in einem ersten Betriebspraktikum die Arbeit in ihrer vielfältigen Bedeutung und Form als Elementarfaktor für die Menschen und ihren Lebensraum erkennen und ihr einen persönlichen Stellenwert zuordnen können.
Die Vorbereitung und Nachbereitung des Betriebspraktikums orientiert sich an den Schwerpunkten Berichtsheft, Verhalten im Praktikumsbetrieb und Erkundungsaufträge (Untersuchungsaspekte: Berufe und Berufsfelder, Betriebsformen, -ziele, betriebliche Strukturen, Ausbildung, Weiterbildung und Aufstiegschancen, Geschichte und Zukunftsperspektive des Praktikumsbetriebes, damit verbundene Veränderungen der Arbeitsplätze).
In der Oberstufe zielt die Berufsorientierung an unserer Schule auf eine kritisch-produktive Auseinandersetzung mit der Berufs- und Arbeitswelt, aber auch auf konkrete Informationen und Hilfen zur Studien- und Berufswahl ab. Darin liegt zunächst die Aufgabe der Orientierung, die über punktuelle Informationen hinausgeht. Wir wollen in einer immer unübersichtlicher sich darbietenden Erwerbswelt das Spektrum vorhandener Berufsfelder darstellen und einen ersten Einblick in die Struktur einzelner Berufe ermöglichen und damit Wege nach dem Abitur aufzeigen - sei es für ein Studium oder für eine berufliche Ausbildung.
Wir bemühen uns gemeinsam und mit Hilfe externer Partner, die bestmöglichen Informationsquellen zu erschließen, um den Heranwachsenden ein Koordinatensystem zu vermitteln, in dessen Bezugsrahmen sich individuell sehr unterschiedliche Suchbewegungen entwickeln können. Am Ende eines längeren Prozesses soll eine möglichst gut begründete eigene Entscheidung stehen.
Die Möglichkeiten der Studienauswahl an Fachhochschulen und Hochschulen rücken mit einem ersten Besuch der Hochschulinformationstage in Gießen und Friedberg in der Jahrgangsstufe 11 in den Mittelpunkt der Berufs- und Studienorientierung.
Das zweite Betriebspraktikum in der Jahrgangsstufe 12 soll bereits auf eine konkret interessengeleitete Studien- bzw. Berufswahl hinzielen. Dabei geht es aber auch um eine
Analyse gesellschaftlich-ökonomischer Zusammenhänge.
Eine Hilfestellung für die nun konkret werdende Studien- bzw. Berufswahl geben wir mittels Beratungsseminaren und der Möglichkeit von Einzelberatungen. Auch erhalten die Schülerinnen und Schüler in der Jahrgangsstufe 12 die Möglichkeit zu Schnupperstudien an Universitäten ihrer Wahl.
Eine Unterstützung hinsichtlich ihrer schriftlichen Bewerbungen bzw. anstehender Bewerbungs- und Vorstellungsgesprächen vermitteln wir in Seminaren, die von qualifizierten externen Trainern durchgeführt werden.
In der 13. Jahrgangsstufe sind unsere Schülerinnen und Schüler nochmals aufgefordert mit dem Besuch von Hochschulinformationstagen ihre Berufs- und Studienorientierung zu überprüfen bzw. zu konkretisieren.
Neben diesen fest in den einzelnen Jahrgangsstufen verankerten Maßnahmen haben die Schülerinnen und Schüler jederzeit die Möglichkeit in Beratungssprechstunden Hilfestellungen zur Berufs- und Studienorientierung zu erhalten.
Gezielte Hinweise auf Studium und Berufsausbildungen liefern zudem unsere Pinwände in zentralen Bereichen unseres Schulgebäudes.
Bodo Renner, Projektkoordinator „Berufs- und Studienorientierung“
Mit der Initiative "Technikum" möchte das BMBF junge Menschen für
technisch-naturwissenschaftliche
Studiengänge und Berufe vorbereiten und
begeistern. Ein Technikum
ist ein Praktikum mit besonderen Extras: Über
konkrete Einblicke in
die betriebliche und studentische Praxis erschließen
sich die
Praktikantinnen und Praktikanten neue Interessens- und mögliche
Berufsfelder
in technisch-naturwissenschaftlichen Bereichen und haben zudem
die
Möglichkeit sich über ein pädagogisches Begleitprogramm zusätzlich zu
qualifizieren.
TECHNIKUM - das Praktikum mit den besonderen Extras
Infos unter www.technikum.de


