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30.01.2012
Eine Trägerin der Partnerschaftsmedaille wird Ritter der Ehrenlegion
Soeur Félix, die ehemalige Schulleiterin der Institution Chaumontaise Oudinot (ICO), Wegbereiterin der Schulpartnerschaft zwischen ihrer Schule und der Ernst-Ludwig-Schule sowie der Städtepartnerschaft zwischen Chaumont und Bad Nauheim, wurde kürzlich „Chevalier“ des französischen Verdienstordens „Légion d’Honneur“.

Unter der Überschrift „Les honneurs pour une grande dame“ (Eine große Dame wird geehrt) war im „Journal de la Haute Marne“ zu lesen: „Sympathie und Bewegtheit erfüllten die Sporthalle der Institution Chaumontaise Oudinot am Freitagbend. Soeur Félix wurde mit dem Orden des Ritters der Ehrenlegion ausgezeichnet. Rund 300 Gäste teilten diese Ehrerweisung der Republik an Soeur Félix, denn irgendwann in ihrem Leben waren sie dieser ungewöhnlichen Frau begegnet, die ihnen bei der Verwirklichung ihrer Pläne half oder ihre Hoffnungen teilte.“ Neben vielen Vertretern des öffentlichen Lebens, darunter Mitglieder des Gemeinderats und Beigeordnete Chaumonts, den Abgeordneten des Generalrats des Départements Haute-Marne und der Abgeordneten der Nationalversammlung, Familienangehörigen, Freunden und zahlreichen Mitgliedern der Schulgemeinde waren auch Vertreter aus Bad Nauheim der Einladung gefolgt, für die Stadt die beiden Vorsitzenden des Partnerschaftsvereins und für die Ernst-Ludwig-Schule die derzeitige Schulleiterin Brigitte Jung-Hengst und ihr Vorgänger mit Ehefrau, die der Geehrten auch freundschaftlich verbunden sind. Bürgermeister Luc Chatel, der auch französischer Erziehungsminister ist, und die Provinzialin des Ordens „Filles de la Sagesse“, waren kurzfristig verhindert teilzunehmen.

Nach der Begrüßung durch Jean-Michel Mussy, Schulleiter der Institution Chaumontaise Oudinot, der den Lebensweg der früheren Schulleiterin als beispielhaft bezeichnete, hielt General Jean-Pierre Villermain-Lécolier, Präsident des Ordens der Ehrenlegion in der Haute-Marne, im Auftrag des Großkanzlers die Laudatio, in der er den Lebensweg, von Monique Prodhon, so der bürgerliche Name von Soeur Félix, nachzeichnete: 1932 in eine Bauernfamilie in der Nähe von Chaumont hineingeboren, 1954 Eintritt in den Orden der „Filles de la Sagesse“, 1965 „Master“-Examen an der Universität von Besancon, danach Lehrerin in Chaumont und seit 1969 Schulleiterin für 23 Jahre. Dabei würdigte er besonders, dass sie drei Schulen zur katholischen Privatschule „Institution Chaumontaise Oudinot“ zusammengeführt und dieser dank Überzeugungskraft, Begeisterungsfähigkeit und Durchhaltevermögen einen Neubau der Schule verschafft habe. Im Weiteren führte er aus, und das freute die deutschen Gäste, dass ihr am Herzen gelegen habe, die deutsch-französische Aussöhnung und Freundschaft zu verwirklichen: „So entstand auf Ihre Initiative der Schulaustausch zwischen der ICO und der ELS, der 1978 in einer Schulpartnerschaft offiziell festgeschrieben wurde. 1992 erweiterte sich dann diese Schulpartnerschaft zur Städtepartnerschaft zwischen Bad Nauheim und Chaumont.“

Chévalier Félix, eingerahmt von Brigitte Jung-Hengst und Armin Häfner

Anschließend würdigte Monsignore Philippe Gueneley, der Bischof der Diözese von Langres, Soeur Félix als „eine hochaktive, herzliche Persönlichkeit der Haute-Marne mit starker Ausstrahlungskraft“, die seit 1993 als Oberin wirkungsreich den Alterssitz ihres Ordens im Kloster Saint Loup sur Aujon leite und deren besondere Sorge auch den Ärmsten unserer Gesellschaft und der Welt gelte. So führe sie die Mission der Gründerinnen ihres Ordens fort, die zuerst in Armenspitälern und kleinen Schulen tätig gewesen seien. „Ihr gelebter Glaube war und ist der fruchtbare Boden, auf dem Ihr Engagement in der Erziehung, in sozialen Belangen, in der Gemeinschaft reiche Früchte trägt.“

Nun ergriffen die Vertreter aus der Partnerstadt Bad Nauheim das Wort. In persönlicher Verbundenheit gratulierte und dankte ihr Armin Häfner namens der Ernst-Ludwig-Schule; und Schulleiterin Brigitte Jung-Hengst überreichte als Geschenk den Bild-Textband "Jugendstil in Bad Nauheim". Dabei erinnerte Häfner daran, dass fast auf den Tag genau vor 34 Jahren Soeur Félix den Schüleraustausch zwischen beiden Schulen angeregt habe, der sich zu einer engen, lebendigen, herzlichen Partnerschaft über viele Jahrzehnte entwickelt habe, die von beiderseitiger persönlicher Wertschätzung, Zuneigung und Freundschaft getragen sei. Und wörtlich führte er aus: „Auf dem Bauernhof Ihrer Eltern in Perrancey wurde der Samen für diese deutsch-französische Freundschaft gelegt, in der Partnerschaft unserer Schulen ging er auf, mit der Verschwisterung von Chaumont und Bad Nauheim wurde die Ernte eingefahren und ging Ihr lang gehegter Traum in Erfüllung.“ Abschließend wiederholte er seinen Wunsch, den er bei der 150-Jahrfeier der ICO im Jahre 1988 geäußert hatte, dieses „Wunder an der Marne“ zu pflegen, „nämlich einander freundschaftlich zu begegnen, statt uns - wie früher - auf dem Schlachtfeld zu bekämpfen.“ Zu diesem Sieg für eine gemeinsame Zukunft habe Soeur Félix einen wichtigen Beitrag geleistet.

Armin Häfner gratuliert Soeur Félix (rechts), links neben ihm Übersetzerin Almut Esteban, dahinter ELS- Schulleiterin Brigitte Jung-Hengst (links) und Ordensgeneral Jean-Pierre Villermain-Lécolier (rechts).

Danach gratulierten die beiden Vorstandsvorsitzenden des Partnerschaftsvereins Soeur Félix zur hohen Auszeichnung. Hans- Peter Thyssen, der 2. Vorsitzende, überbrachte in Französisch „im Namen der Stadt Bad Nauheim, der Stadtverordnetenversammlung und des Partnerschaftsvereins die besten Grüße und Glückwünsche“ und wünschte alles Gute, vor allem Gesundheit. Und Wolfgang Mahr, der 1. Vorsitzende, überreicht die Reproduktion des Vogelschaupanorama-Aquarells des Malers Josef Ruep mit der Ansicht Bad Nauheims vom Anfang der 1930er Jahre. Bad Nauheim hatte 1994 Soeur Fèlix die Partnerschaftsmedaille für besondere Verdienste um die Städtepartnerschaft Bad Nauheim/ Chaumont verliehen, weil sie „in Verbindung mit der Ernst-Ludwig-Schule den grundlegenden Beitrag für eine lebendige Städtepartnerschaft leistete.“

Wolfgang Mahr (Partnerschaftsverein) überreicht Soeur Félix eine Ansicht von Bad Nauheim, dahinter ICO-Schulleiter Jean- Michel Mussy und Hans- Peter Thyssen. (Partnerschaftsverein).

Abschließend dankte Soeur Félix „tief beeindruckt“, neben den Rednern besonders „allen Lehrern und Erziehern, allen Schwestern, Angestellten, noch aktiv oder in Rente“, ihrer ehemaligen Schule, „denn jedem von ihnen (gebührt) ein Stück diese Kreuzes und dieser Ehrung “; und schließlich: „Ein ganz besonderer Dank gilt der deutschen Delegation, Herrn und Frau Häfner, und den Mitgliedern des Partnerschaftsvereins aus Bad Nauheim: Eine lang währende herzliche und fruchtbare Freundschaft verbindet die Ernst-Ludwig-Schule, genannt ELS, mit unserer ICO seit 1978, Freundschaft, die 1992 durch die Partnerschaft zwischen unseren beiden Städten noch verstärkt wurde.“

Beifall nach der Dankesrede von Soeur Félix; hinter ihr die Redner und die Fahne der Ehrenlegion.

Dem Abschluss der Feier mit Sekt und Häppchen, bei dem Gelegenheit für Dankesworte in zwei ausliegende Erinnerungsbücher und eine Spende für einen Kirchenbau in Kamerun war, schloss sich dann abends ein Essen in der nahe gelegenen Gaststätte „Florimont“ an , an dem neben den fünf Schwestern von Soeur Félix mit ihren Familien, ehemalige Eltern, Lehrer und Schüler der ICO sowie alle Gäste aus Bad Nauheim teilnahmen, darunter auch eine Tochter von Leo Odenweller aus Wisselsheim, dem ehemaligen Kriegsgefangenen auf dem elterlichen Bauenhof in Perrancey, mit dem alles vor fast 70 Jahren begann.

Herzlichen Dank an das Ehepaar Almuth und Emmanuel Esteban für ihre überwältigende Gastfreundschaft für die Vertreter der ELS, an Almuth Esteban für die Übertragung der Reden ins Deutsche und Soeur Félix für den abschließenden Tag im Kloster Saint Loup sur Aujon.

Text und Fotos: Armin Häfner


 
 
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