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21.06.2010
Premiere für Austausch mit La Réunion

Der deutsch-französische Kulturaustausch hat in Bad Nauheim durch die langjährige Verschwisterung der Städte Chaumont und der Kurstadt und ihren Schulen eine gute Tradition. Doch nachdem der Kontakt seitens der französischen Partnerschule abgebrochen war, freute es die Bad Nauheimer Schulgemeinde umso mehr, als ein diesjähriger Pionieraustausch mit dem Überseedepartement La Réunion möglich geworden war.

Die »Ile de la Réunion« (Insel der Zusammenkunft), 10 000 km von Frankreich entfernt im Indischen Ozean gelegen, reizt – von der Sprache Französisch abgesehen – natürlich mit dem Aspekt des »exotisme« der ganz anderen Kultur, die trotz Zugehörigkeit La Réunions zu Frankreich doch so viele afrikanische und multikulturelle Facetten besitzt.

Deshalb war es für uns, meist ebenfalls noch nie dorthin verreiste Europäer, so spannend, für zwei Wochen die französischen Gäste in unsere Familien aufzunehmen.




Natürlich stellte sich besonders bei den herrschenden Witterungsbedingungen die Frage, warum die vom tropisch-sommerlichen Klima verwöhnten, in unseren Augen dem Paradies entschwundenen Schüler freiwillig in das (Mai-)kalte Deutschland kommen. Doch für die meisten der Reunionesen stellte dieser Austausch die erste Möglichkeit einer Reise außerhalb der Insel nach Europa dar.

Zwei Kulturen – die gelassen-temperamentvollen Kreolen und die meist so bedachten und emsigen Deutschen – trafen aufeinander. Für die Reunionesen war der hiesige Verkehr (selbst in kleinen Ortschaften) bedrohlich, Zug fuhren viele zum ersten Mal in ihrem Leben und die Rolltreppen und Wolkenkratzer in Frankfurt waren bisher nur aus amerikanischen Fernsehserien bekannt.

Unser Programm sollte unseren Gäste eine Öffnung in der Reichweite (Entfernungen) geben. Zur Orientierung begannen wir mit der Schulbesichtigung, der französischsprachigen Stadtführung und dem offiziellen Empfang der Stadt. Zum gemeinsamen Kennenlernen und regen Austausch boten unser Grillabend am Schwalheimer Rad mit Fußballspiel, der leider verregnete Wandertag im Westerwald mit Besichtigung des Bergwerkes Fortuna sowie die Rheinfahrt nach Mainz, die Besichtigung des Gutenberg-Museums und eine Schiffsfahrt zur Loreley genügend Möglichkeiten.

Auch in einem gemeinsamen »projet pédagogique« erarbeiteten wir uns zweisprachig die Zukunft der Europäischen Union mit besonderem Fokus auf die deutsch-französischen Beziehungen. Viel über die deutsche Kultur bekamen die Franzosen bei ihrem Tagesausflug nach Frankfurt mit dem Besuch des Goethehauses und -museums sowie der Paulskirche und des Kaiserdoms vermittelt.

Aber auch in unseren eigenen gestalteten Programmen für die schulfreien Tage erkannten wir, dass es nicht für jeden selbstverständlich ist, eine echte Ritterburg zu kennen oder überhaupt die Spuren des Mittelalters, wie Fachwerkhäuser oder Klöster, jemals »live« gesehen zu haben. Wegen der auf Réunion herrschenden hohen Arbeitslosigkeit träumen einige der Austauschpartner von einer beruflichen Perspektive in Europa, speziell in Frankreich.

Natürlich sind wir deutsche Austauschschüler nicht minder gespannt auf das Erkunden einer uns fernen Realität in manchmal auch bescheidenerem Lebensstandard, dafür aber mit umso reicherer Naturvielfalt.

 Vera Bornkessel

 
 
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