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22.11.2009
Deutsch-LK in Buchenwald und Weimar
Es ist ein kalter, windiger Tag. Die Schüler und Schülerinnen des LK Deutsch/ PHe der Ernst-Ludwig-Schule frieren immens auf dem Appellplatz des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald – doch dies ist nichts im Vergleich zu den Qualen der Häftlinge, die sich ohnehin nur erahnen lassen: stundenlanges Appellstehen mit lediglich ein paar Holzschuhen an den Füßen und dünner Häftlingskleidung am Leibe, selbst im tiefsten Winter.
Wo blieb die Menschlichkeit an diesem Ort? Dieser und vielen weiteren Fragen ging der Deutsch-Leistungskurs der Jahrgangstufe 13 auf den Grund: „Auch wenn man die Umstände als Außenstehender niemals komplett nachempfinden kann, so ist es dennoch wichtig, immer wieder daran zu erinnern und niemals zu vergessen.“



Der Wetteraukreis unterstützte mit einem Zuschuss zu den Fahrtkosten den dreitägigen und sehr kontrastreichen Aufenthalt in der Jugendbegegnungsstätte der Gedenkstätte Buchenwald. Zwischen dem 5. und 7. November beschäftigten sich die Schüler nicht nur intensiv mit den grauenhaften Geschehnissen während des NS-Regimes, speziell im Konzentrationslager Buchenwald, sondern als Einschub auch mit Weimar in seiner Blütezeit.



Zu Ersterem hatte Lehrerin Eva Pfeiffer-Heidecke zuvor entsprechende Erinnerungsliteratur vorgeschlagen, die den angehenden Abiturienten eine gute Vorbereitung war. Sie beschäftigten sich vorab intensiv mit Werken von Elie Wiesel, Jorge Semprun, Imre Kertesz, Bruno Apitz und anderen. So fiel es ihnen vor Ort wesentlich einfacher, „trockene“ Fakten zusammen mit Einzelschicksalen in einem großen Gesamtkontext wiederzufinden und zu verbinden. „Man hat gute Bezüge und kann sich besser orientieren“, so die Schülerinnen und Schüler. Führungen und Gruppengespräche leitete Ronald Hirte, der bereits 15 Jahre an der Gedenkstätte beschäftigt ist, schon viele archäologische Fundstücke geborgen hat und nach eigenen Angaben immer noch auf Neues stößt.
Neben diesen aufklärenden Führungen über das Gelände des Lagers gab es auch die Möglichkeit der Eigenrecherche an den bereitgestellten Computern oder den Dokumentensammlungen im Leseraum oder Widmungen der Häftlinge, die später auch Biografien verfasst haben.



Es offenbarten sich tiefe menschliche Abgründe, die es nach einem langen Tag erst einmal zu verarbeiten galt.
Am Freitag, dem 6. November, folgte dann eine Erkundung Weimars. Nach einer kurzen Führung zum Thema „Weimar im Nationalsozialismus“ wandten sich die Kursmitglieder, anknüpfend an den Unterricht, der Weimarer Klassik zu. Sie ergriffen selbst die Initiative, indem sie Kurzreferate in entsprechendem Umfeld hielten – Wie hat Goethe in Weimar gelebt und geliebt, welche Architektur bevorzugte Schiller, was ist im Bauhausmuseum ausgestellt und warum und was hat es mit der Anna-Amalia-Bibliothek auf sich?
Vor Goethes berühmten Gartenhäuschen überzeugten sich die Schüler selbst von der idyllischen Landschaft und dem Blick zu dem Haus Charlotte von Steins. Am Römischen Haus, ganz in der Nähe, wurde die Anlehnung der Klassik an die Antike verdeutlicht.
Außerdem wurde geklärt, wie sich Weimar unter der Herzogin Anna Amalia zum Kulturzentrum Deutschlands entwickelte, wer daran beteiligt war, und wie sich dies in den Folgejahren auswirkte.
Das Beschriebene besser erleben zu können und nicht nur auf Bildern abgedruckt zu sehen, ist ein wesentlicher Unterschied zum herkömmlichen Unterricht, den alle positiv aufnahmen.
Um nicht die angenehmen Seiten des Lebens zu vernachlässigen, genossen die Schüler nach einem gemeinsamen Abendessen zum Abschluss des Tages ein Theaterstück, welches so manchen sogar vor Lachen zu Tränen rührte.

Am letzten Tag, wieder in Buchenwald, stand es den Gymnasiasten offen, verschiedene Ausstellungen in den Museen der Gedenkstätte zu besichtigen, letzte Recherchen anzustellen und weitere Fragen mit Ronald Hirte zu klären. Die Besteigung des weithin sichtbaren Mahnmals am Südhang des Ettersberges stand am Ende des Besuchs.
Mit einer Menge neuer Eindrücke und Erfahrungen verließen die Schüler die Jugendbegegnungsstätte Buchenwald. Trotz der Unmengen an Fragen, die aufgekommen waren, blieb sogar noch zurück in der Schule Gesprächsbedarf zu diesem unerschöpflichen Thema.
Obwohl die Schüler bereits in der 10. Jahrgangsstufe mit dem ehemaligen Konzentrationslager konfrontiert worden waren, stellten sie fest, dass sie nun wesentlich mehr Erfahrungen aufnehmen und für sich gewinnen konnten, zumal sie nun auch „reifer“ seien.
Im Endeffekt blieb jedoch eine fundamentale Frage offen: Wie kann es sein, dass zwei solch verschiedene Welten – die Barbarei des Konzentrationslagers auf der einen, das hochkultivierte klassische Weimar auf der anderen Seite – örtlich so nahe beieinander liegen können?
„Was ist es, das in uns lügt, mordet, stiehlt?“(Büchner) – werden wir jemals eine Antwort darauf erhalten können?
Um hier zumindest Prävention zu schaffen, dürfen Gräueltaten, wie die der Nationalsozialisten, niemals in Vergessenheit geraten und müssen weiterhin an Schulen behandelt werden.

Von Janina Elisa Müller im Namen des LK Deutsch (PHe, Bal), Jg. 13
 
 
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