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10.10.2009
Selbstdisziplin ist das Ziel
»Disziplin, Respekt und gute Noten« – so lautete der Titel des Vortrags des Diplom-Pädagogen Detlef Träbert, den der Verein der Freunde an der Ernst-Ludwig-Schule in Bad Nauheim ermöglicht hatte. Brigitte Post, stellvertretende Schulleiterin der ELS, begrüßte die interessierten Zuhörer und bezeichnete die im Vortragstitel genannten Aspekte als Kernthemen für Eltern, Pädagogen und spätere Arbeitgeber.

Diplom-Pädagoge Detlef Träbert hatte die Aktion Humane Schule ins Leben gerufen, leitet den Schulberatungsservice in Niederkassel und ist Autor zahlreicher Publikationen mit einem breiten Spektrum pädagogischer Themen.

Mit einer Geschichte für die Eltern pubertierender Töchter leitete er zum Thema Disziplin über, das bereits vor 4500 Jahren die Sumerer und alten Ägypter beschäftigt hatte. Er definierte den Begriff der Disziplin und stellte heraus, dass sich der heute relevante Disziplinbegriff von dem der Kaiserzeit unterscheide. Obwohl wir gewohnt seien, fremdgesteuert zu funktionieren, sei die Selbstdisziplin letztendlich das Ziel, das zu erreichen jedoch ein langer Prozess sei.



Auch und vor allem in der Schule werde eine Ebene der Regeln, Vereinbarungen und Vorschriften. In diesem Zusammenhang sei es wichtig, immer wieder mit den Jugendlichen zu diskutieren. Disziplin müsse immer begründet sein, um letztendlich dazu zu führen, dass sich Jugendliche an eigene Normen halten. Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass im Zusammenhang mit guten Noten Selbstdisziplin noch eine größere Rolle spiele als der Intelligenzquotient.

An die Adresse der Eltern von pubertierenden Jugendlichen richtete Detlef Träbert den Ratschlag, immer folgende Prinzipien walten zu lassen: Liebe und Zuwendung, klare Regeln, jeglicher Gewaltverzicht, Vertrauen in Fähigkeiten und Begabungen, um so das Selbstbewusstsein und die individuelle Persönlichkeit des Kindes zu fördern. Die Regeln müssten immer wieder genannt und eingefordert werden, denn Regeln hätten auch mit Sich-daran-Gewöhnen zu tun. Bei Befolgen der Regel sollte auch das Lob nicht vergessen werden.

Auch zum Thema Respekt lieferte Detlef Träbert eine Begriffsklärung. Er verdeutlichte, dass es sich bei Jugendlichen um einen Schlüsselbegriff handele. Zusammenleben könne nur funktionieren, wenn Respekt da sei. Respekt sei weiterhin die Voraussetzung, dass wir unsere Streitigkeiten und Konflikte lösen können. Detlef Träbert zitierte einen Graffitispruch: »Liebe mich am meisten, wenn ich es am wenigsten verdiene, denn dann brauche ich es am dringendsten.«, um zu verdeutlichen, dass Jugendliche mit respektlosem Verhalten immer Gefühle ausdrückten, die sie sonst nicht artikulieren könnten. Erwachsene sollten hier den Dialog suchen, Vertrauen aufbauen und emotionale Nähe schaffen. Dabei erinnerte Detlef Träbert daran, dass Kinder Gerechtigkeitsfanatiker seien und so müsse man das, was man an Verhalten einfordere, selbst auch praktizieren, um nicht unglaubwürdig zu erscheinen. Akzeptanz sei ein wichtiger Begriff: »Das Gegenüber wird so akzeptiert, wie es ist, aber mit dem Bewusstsein, dass es noch besser wird.«

Die dritte Säule in Detlef Träberts Vortrag bezog sich auf den Schulerfolg, für den er eine ganze Reihe von Bedingungsfaktoren anführte. Die Kinder sollten lernen, dass Bemühungen zwar zum Erfolg führen können, das aber nicht immer gelinge – Frustrationstoleranz sei in diesem Zusammenhang ein ganz wichtiger Begriff, denn wissenschaftliche Untersuchungen hatten ergeben, dass Menschen mit gut entwickelter Frustrationstoleranz leichter in Führungspositionen kämen. Auch im Zusammenhang mit Schulerfolg nannte Detlef Träbert die drei Faktoren Disziplin, Vertrauen und emotionale Nähe.

Schließlich gab der Referent noch eine Reihe von praktischen Tipps, die zum Schulerfolg beitragen können. U.a. sei die Gewöhnung an feste Arbeitszeiten wichtig (Wochenplan) ohne zu vergessen, dass Jugendliche auch Auszeiten benötigen. Bei Hausaufgaben seien Fehler wichtig, denn nur so könnten Jugendliche eigene Erfahrungen machen, das Nennen der Lösung eines Problems sei dagegen kontraproduktiv. Weiter bringe es in jedem Fall derjenige mit eigenen Erfahrungen. Es sei nicht entscheidend, dass Hausaufgaben fehlerfrei seien, aber sie sollten aus eigenem Denken stammen (Lernerfahrungen). So solle sich die Elternhilfe bei Hausaufgaben darauf beschränken, eine positive Atmosphäre zu schaffen, Interesse zu zeigen und das Kind ermutigen – auch bei schlechten Noten.

 
 
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