03.11.2015 17:38 Alter: 2 yrs

Kreisbeigeordneter beantwortet Fragen zu Flüchtlingsproblematik


Zurzeit gibt es kein gesellschaftspolitisches Thema, das die Menschen in Deutschland so bewegt und umtreibt wie die aktuelle Flüchtlingssituation. Dementsprechend ausgeprägt ist das Interesse der Schülerinnen und Schüler an den gegenwärtigen Entwicklungen, weshalb das Problemfeld im Rahmen des PoWi-Unterrichts regelmäßig Anlass für differenzierte Diskussionen gibt. Um zu verdeutlichen, wie virulent die Thematik im unmittelbaren Lebensumfeld der Lernenden ist, rückte bei einer Veranstaltung der ELS am 07.10.2015 die aktuelle Lage in der Region in den Mittelpunkt des Erkenntnisinteresses. Der Erste Kreisbeigeordnete und Integrationsbeauftragte Helmut Betschel war der Einladung der Leistungskurse Politik und Wirtschaft (Möllgaard, Zimmermann und Salzig) sowie des Religions- und Ethikkurses (Teschauer und Salzig) gefolgt, um in einem Informations- und Diskussionsgespräch mit den Schülern die Flüchtlingskrise zu erörtern.

Zunächst stellte Herr Betschel die Flüchtlingszahlen und deren Entwicklung seit 1995 vor und verdeutlichte, dass bereits durch den Kosovokrieg ein Anstieg der Flüchtlingszahlen zu verzeichnen war. Da diese Welle aber schnell wieder abebbte, habe man seitens der Bundesregierung keinen Handlungsbedarf gesehen, weshalb es nun zu wenige Flüchtlingsunterkünfte gebe. Die zuständigen Politiker im Wetteraukreis seien sich daher einig, dass die zunächst aufgestellten Standards zur Unterbringung nicht aufrechterhalten werden könnten, jedoch eine getrennte Unterbringung nach Geschlecht und Religionszugehörigkeit absolute Priorität genieße, damit sich Ereignisse, wie sie in Gießen stattgefunden hätten, nicht im Wetteraukreis wiederholten. Herr Betschel appellierte an diejenigen Schüler, die auf gewaltsame Übergriffe in Flüchtlingsheimen mit Unverständnis reagierten, Empathie für die Situation der Menschen zu empfinden, die Krieg, Gewalt und Verlust erlebt hätten und nun auf engstem Raum untergebracht würden. Nachvollziehbar sei sicherlich auch, dass sich Kosovaren Syrern gegenüber benachteiligt fühlten, da diese – wie auch Eritreer – die besten Chancen auf Asyl hätten und alle Kosovaren sicher sein könnten, Deutschland wieder verlassen zu müssen.
Auf die Frage einer Schülerin, ob der Wetteraukreis im Hinblick auf die verhältnismäßig kleine Zahl von 3000 zu verteilenden Flüchtlingen wirklich seine Kapazitäten ausnutze, verwies der Integrationsbeauftragte auf fehlenden Wohnraum für anerkannte Flüchtlingsfamilien, welche die größte Gruppe der Flüchtenden ausmachten, und ging anschließend auf die fehlende Planbarkeit ein, da die Regierung lediglich eine Zahlenprognose abgebe und sich außerdem viele Flüchtlinge kurz nach der Ankunft an einem Ort direkt auf die Weiterreise nach Dänemark oder England begäben.
Als positiv bewertete Herr Betschel die Solidarität der Menschen mit den Flüchtlingen und die weithin wahrnehmbare Unterstützung des Kurses der Bundeskanzlerin Angela Merkel, auch zukünftig Flüchtlinge aufzunehmen. Als Antwort auf die Frage einer Schülerin, ob auf diese Weise nicht auch der demografische Wandel in Deutschland bekämpft werden könne, führte der Kreisbeigeordnete aus, dass sich der hierzulande verstärkt beklagte Fachkräftemangel durch eine Integration von Migranten abschwächen lasse. Daher gelte es diese Herausforderung zu meistern; andernfalls müsste die Generation der heutigen Schülerinnen und Schüler diese Herausforderung alleine bewältigen.

Manuela Salzig