03.06.2019 20:39 Alter: 17 days
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Eine Zeitreise mit Romeo und Julia - Modernes Theater an der Ernst-Ludwig-Schule


Wer kennt sie nicht, diese bittersüße Liebesgeschichte von Romeo und Julia, ein Klassiker der Weltliteratur? Wie würde es einem solchen Liebespaar wohl in der heutigen Zeit ergehen?
Auf dieses Gedankenspiel ließen sich 38 Schüler und Schülerinnen der Oberstufe (Q2) ein, zwei Kurse des Fachs Darstellendes Spiel an der ELS, unterrichtet von Fr. Koch und Fr. Vogel. Nach intensiver produktiver Teamarbeit in den Theatertagen zeigten sie ein modernes Theaterstück, das das Publikum beeindruckte.


Zu Schuljahresbeginn mussten dazu zunächst die „theatralen Weichen“ gestellt werden: Die Schüler und Schülerinnen lernten mit verschiedenen Kompositionsmethoden neue Theaterelemente kennen und erprobten sich im Objekttheater. Da sich die Schülervertretung der ELS das brandaktuelle Thema „Save the ocean “ auf die Fahnen geschrieben hatte, war schnell klar, wie die Entwicklung von Figuren aussehen musste: Wie fühlen sich z.B. eine Plastiktüte oder ein To-Go-Becher, die nach einmaligem Gebrauch im Müll landen? So entstanden sehenswerte Monologe, die im Unterricht und auch am Tag der offenen Tür präsentiert wurden.


Der gemeinsame Besuch der Frankfurter Inszenierung „Romeo und Julia“ brachte eine weitere Wendung in die Theaterarbeit der Kurse. Nach der Analyse der Inszenierungsprinzipien galt es die beiden Themen zu verbinden. Hitzige Diskussionen und Proben wechselten sich in den Theatertagen ab. Die verfeindeten Familien gehörten nun der Kunststoffindustrie oder dem Umweltschutzverband an, Romeo war ein unterdrückter Sohn des Konzernchefs und Julia konnte auch mal zu Julian werden. Während der Kurs von Fr. Vogel neueste Müllstatistiken mit aufnahm und diese mit altbekannten Shakespeare-Zitaten verknüpfte, setzte der Kurs von Fr. Koch vor allem auf Körpersprache, die nur mit einzelnen Sätzen oder Ausrufen unterstützt wurde. So manch ein Schüler und so manche Schülerin wuchs dabei über sich hinaus und sah die eigenen Erwartungen übertroffen: „Am Anfang dachte ich, es wird langweilig und eine Katastrophe. In der Realität war das ganz anders.“ Das Publikum erwartete eine abwechslungsreiche Collage, die 40 Minuten Unterhaltung bot, aber auch Denkanstöße gab:
Gleich zu Beginn leitet eine Reiseführerin die Zuschauer zum berühmten Balkon im vermüllten Verona, vorbei an Müllsäcken, Müllstatuen und Mülltonnen. Anschließend übernimmt ein Erzähler die Aufgabe, das erste Romeo- und- Julia-Paar vorzustellen. Getrennt durch einen zugemüllten Fluss und gegensätzliches Umweltbewusstsein treffen sie aufeinander und überwinden die widerstreitenden personifizierten Gefühle wie Hass, Liebe und Zweifel. Die nächste Szene wird durch eine Mauer beherrscht, die verfeindeten Nachbarn werfen ihren Müll auf das andere Grundstück. Erst als die Situation eskaliert und die Mauer durchbrochen wird, wird allen klar, dass Romeo und Julia die unsinnige Feindschaft schon längst über WhatsApp überwunden haben. Die anschließende Videoprojektion geht unter die Haut: Sie zeigt Meerestiere, die durch Plastikmüll verendet sind.


Dass Konkurrenzdenken und Neid zerstörerische Kraft besitzen, wird beim Auftritt der nächsten Gruppe überdeutlich. Mit kraftvollen Posen, synchronen Bewegungen und Ausrufen stehen sich die Konkurrenten unversöhnlich gegenüber, es kommt zum Kampf. Eine Annäherung oder gar Liebe erscheint unmöglich. Den Abschluss bildet der kontrastreiche Auftritt einer Gruppe, die Shakespeare alle Ehre macht und gleichzeitig moderne Akzente setzt. Neben zwei unterschiedlichen Romeo- und-Julia-Paaren treten außerdem noch Mercutio, Romeos treuer Freund und Tybalt, Julias Cousin, auf. Eine spannende Kampfsituation bleibt auch hier nicht aus. Die Brücke zwischen Gestern und Heute stellen leistungsorientierte Väter dar, die die Zukunft ihrer Kinder gnadenlos bestimmen wollen. Das Publikum sieht sich einerseits in einer Gerichtsszene unmittelbar mit Müllstatistiken konfrontiert und darf sich andererseits etwas später über Slapstick-Einlagen amüsieren.
Begeisterter Applaus krönte die Aufführungen und nicht nur die Schulleitung zeigte sich beeindruckt. Auf eindringliche Weise wurde mit diesem Theaterstück die SV-Aktion „Save the ocean“ unterstützt.
Am 6.6.2019 um 19.30 folgt in der Aula eine Abendgala, der „Save-the-Ocean“-Catwalk, mit dem Spenden für gemeinnützige Organisationen für Umweltschutz gesammelt werden. Die SV präsentiert an diesem Abend selbst designte Outfits aus alter Kleidung oder Müll. Man darf gespannt sein!

Susanne Vogel