30.01.2019 22:21 Alter: 166 days
Kategorie: fb2

Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus


Die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 ist heute ein nationaler und internationaler Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass lädt der Wetteraukreis Schüler in den Plenarsaal des Kreises ein, die hier in einem würdigen Rahmen der Opfer gedenken und in diesem Jahr durch eine Lesung von Horst Decker mehr über die Hintergründe erfahren konnten.  

Der bilinguale Geschichtskurs von Frau Hebbeker-Meyer nahm an dieser Veranstaltung teil und zeigte sich sehr beeindruckt.

Landrat Jan Weckler richtete sich in sehr eindringlichen und bewegenden Einleitungsworten an die Schülerschaft und betonte die Wichtigkeit unserer Erinnerungskultur. Es gäbe keine Kollektivschuld, sondern eine individuelle Schuld an dem fürchterlichen Unrecht und der Vernichtung der europäischen Juden, Sinti und Roma sowie allen anderen Opfern. Keiner der Anwesenden sei schuldig, aber jeder von uns habe eine individuelle Verantwortung dafür, dass dieses unfassbare Unrecht nie wieder geschehen dürfe.  Die „NS-Zeit als Fliegenschiss in der deutschen Geschichte“ zu bezeichnen (Alexander Gauland, AFD) sei eine völlig unzulängliche Ignoranz und unerträgliche Herabminderung des zugefügten Leids.
In der anschließenden Lesung von Horst Decker, der beruflich zunächst nichts mit Geschichte zu tun hatte, sich aber immer für Geschichte interessiert hat und eine große Sammlung historischer Quellen besitzt, erfuhren die Schüler sehr detailreich, wie es überhaupt zu einer solchen unvorstellbaren Massenvernichtung kommen konnte. Er sprach über die Verfolgung und Vertreibung der Juden aus vielen europäischen und nordafrikanischen Ländern bereits in der Antike als auch im Mittelalter und der Neuzeit. Darwins Evolutionstheorie, de Gobineaus Rassenlehre und Houston Stewart Chamberlains Werk über die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts (1899), das zu einem Standardwerk des rassistischen und ideologischen Antisemitismus in Deutschland avancierte, wurden schon in der Zeit der Jahrhundertwende, aber dann besonders von den Nationalsozialisten immer wieder als Beleg und Grundlage für die wahnwitzigen Lehren von Untermenschen und Ariern herangezogen.
Der Autor machte deutlich, dass sich die Menschen, insbesondere die jungen Menschen, kaum gegen die Indoktrination und den geschürten Hass gegen Andersgläubige oder – denkende wehren konnten. An Schulen war die Rassenlehre selbstverständlich und wurde in alle Fächer integriert. Selbst an den Universitäten wurde Rassenlehre ein Pflichtfach, um die Menschen auf die offensichtlichen Schikanierungen von Juden in der Öffentlichkeit vorzubereiten.  

Zum Schluss führte Horst Decker aus seiner Sammlung noch einen Originalfilm über Polen und die Entstehung und Entwicklung im Warschauer Ghetto vor. Da sich die Schülerinnen schon mit dem Film „Der Pianist“ auseinander gesetzt hatten, gab es hier viele Momente des Wiedererkennens von bereits Erlerntem.

Das Ziel der Initiatoren, darunter Landrat Jan Weckler sowie Organisator Michael Elsass (zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Wetteraukreises) und des Autors Horst Decker, die Schüler noch mehr für den Gedenktag zu sensibilisieren, das Erinnern wach zu halten und jedem faschistischen Gedankengut entschieden entgegen zu wirken, wurde sicherlich mehr als erreicht.

Annette Hebbeker-Meyer, Fachbereichsleiterin für das gesellschaftswissenschaftliche Aufgabenfeld