14.12.2017 10:12 Alter: 216 days
Kategorie: fb2, geschichte

Mensch - achte den Menschen


Als die Fachschaft Geschichte sich Ende November in der Gedenkstätte in Hadamar zu einer ganztätigen Fortbildung traf, beschlich uns alle ein beklemmendes, unheimliches Gefühl, wussten wir doch, was sich hier während der NS-Zeit aufgrund des NS-Euthanasieprogramms abgespielt hat. Etwa 15.000 Menschen, deren Leben als unwertes Leben bezeichnet worden war, sind hier von Ärzten und Krankenschwestern umgebracht worden. Flankiert wird das Gebäude heute wie damals von zwei gewaltigen Kirchen, was selbstverständlich ebenso zwiespältige Gefühle hervorrief.
Um mit diesem Gefühl besser umgehen zu können, begannen wir unter der Führung von Frau Regina Gabriel zunächst mit einigen Lockerungsübungen in der Garage, in der die „grauen Busse“ mit den Opfern ankamen. Die Fensterscheiben der Busse waren verdunkelt oder verhängt, damit die Bevölkerung nicht mitbekommen sollte, was sich täglich vor den Toren und in den Gebäuden der Psychiatrie abspielte.
Eine Führung durch die Räume, in denen die Opfer getötet wurden, die Erklärungen hierzu, das Fundament des Ofens, in denen die Getöteten verbrannt wurden und die anschließende Begehung des Massenfriedhofs war uns allen sehr unheimlich. Ein fast unscheinbarer Gedenkstein mit der Aufschrift „Mensch – achte den Menschen“ ist hier nach der NS-Zeit errichtet worden.
Das beklemmende Gefühl, dass ein solches Verbrechen in unserem Land geschehen konnte,  ließ erst etwas nach, als wir uns am Nachmittag in die Rolle von Schülern begaben und in Kleingruppen kleine Präsentationen ausarbeiteten. Diese Präsentationen wurden dann der ganzen Gruppe vorgestellt und wir überlegten, was man davon mit Schülern tatsächlich erarbeiten könnte. Besonders bereichernd war hier die Unterstützung durch unsere Referendarinnen Frau Janßen, Frau Sinschek und Frau Heydt (letztere hatte gerade das 2. Staatsexamen in der Tasche).
Am Abend trafen wir uns alle zum Abendessen im schon ein wenig weihnachtlich anmutenden Stadtkern und überlegten, wie wir einen Besuch in der Gedenkstätte mit Schülern vorbereiten und durchführen könnten, vertagten dies aber auf die nächste Fachkonferenz.
Das einstimmige Fazit über diese Fortbildung war insgesamt sehr positiv. Unsere beiden Kollegen, Alexander Neuenkirch und Heiko Landmann dankten im Namen aller der Fachvorsitzenden Britta Witzmann für die Planung und Organisation des Tages. Es ist trotz des fürchterlichen Ortes schön und gewinnbringend, einmal so intensiv mit den Fachkollegen zusammenarbeiten zu können.


Annette Hebbeker-Meyer
Foto: Eva Pfeiffer-Heidecke